Auf den ersten Blick sind es oft unscheinbare Pflanzen, die am Wegesrand, zwischen Felsen oder in den Almwiesen rund um den Hochkönig wachsen. Doch wer genauer hinsieht, entdeckt: Hier, mitten in der unberührten Natur, liegt ein jahrhundertealtes Wissen verborgen. Das Wissen um die Kraft der alpinen Heilkräuter – überliefert von Generation zu Generation, von weisen Frauen, Kräutersammlerinnen, Bergbauern und Hirten.
Heilkraft aus der Höhe
In der alpinen Pflanzenwelt herrschen extreme Bedingungen: intensive Sonneneinstrahlung, karge Böden, kurze Vegetationszeiten. Genau daraus entwickeln viele Hochgebirgspflanzen besondere Wirkstoffe – als Schutz vor UV-Strahlen, Schädlingen oder Trockenheit. Für uns Menschen können diese Stoffe heilend, stärkend oder beruhigend wirken.
Zu den bekanntesten alpinen Heilpflanzen zählen:
- Arnika: entzündungshemmend und schmerzlindernd, traditionell bei Prellungen und Verspannungen verwendet
- Ringelblume: wundheilend und hautberuhigend
- Johanniskraut: stimmungsaufhellend, entzündungshemmend
- Quendel (wilder Thymian): antibakteriell, gut bei Erkältungen
- Meisterwurz: altbewährte Alpenpflanze, früher bei Verdauungsbeschwerden und als Schutzmittel gegen „böse Geister“ genutzt
- Frauenschuh, Alant, Schafgarbe und viele mehr – jede mit ihrer eigenen Geschichte, Wirkung und Bedeutung

Zwischen Volksglauben und moderner Pflanzenkunde
Früher war es das Reich der sogenannten „Kräuterhexen“ – meist erfahrene Frauen, die über Naturbeobachtung, Intuition und weitergegebenes Wissen verfügten. Ihr Zugang zu den Heilpflanzen war stark mit dem Lebensrhythmus der Natur verbunden. Viele dieser überlieferten Anwendungen werden heute von der Phytotherapie wissenschaftlich bestätigt.
Und doch bleibt auch ein Teil dieses Wissens geheimnisvoll: etwa welche Kräuter zur Sommersonnwende gesammelt werden sollten, warum manche Pflanzen erst im Morgengrauen gepflückt werden durften, oder wie aus Blüten und Harz stärkende Salben entstanden.
Heilkräuter in der Küche der Übergossenen Alm
Bei uns auf der Alm sind diese Pflanzen nicht nur Dekoration – sie bereichern unsere Küche auf vielfältige Weise: als aromatische Beigabe, als Zutat für Öle, Tees und Sirupe oder als feine Akzente in unseren Menüs. Viele der Kräuter stammen direkt von unseren umliegenden Wiesen oder aus dem eigenen Kräutergarten – gesammelt mit Bedacht, verarbeitet mit Liebe.
Wir laden Sie ein, bei Ihrem Aufenthalt genauer hinzusehen: Welche Kräuter wachsen direkt am Wegesrand? Was duftet im Almkräuter-Tee am Frühstückstisch? Und welche Aromen erzählen von früheren Zeiten – ganz ohne viele Worte?






