In Zeiten einer Pandemie wurde uns, in einer Region voll von Traditionen, Ritualen und wiederkehrenden Fixpunkten, erst richtig bewusst, wie wichtig Routinen für uns alle sind. Nach dem Osterfest im Kreise der Familie wirft schon jetzt eine ganz spezielle Tradition ihren Schatten voraus: das Maibaumfest. Alle Jahre ein Fixpunkt im Kalender von uns und Dienten.

Ein großes Stück gelebte Tradition

Eines vorab: Wir tragen unsere Salzburger Traditionen im Herzen und freuen uns über jede Gelegenheit, diese mit unseren Gästen, als auch mit unserer Dorfgemeinde zu teilen. Und besonders zum Frühlingsempfang freuen wir uns, unser bestes Dirndl auszuführen. Bei Musik und Tanz wird traditionell in frühsommerliche Stimmung gefeiert, denn der 1. Mai ist nicht nur ein einfacher Österreichischer Staatsfeiertag. Das Maifest steht und fällt mit dem Brauchtum des Maibaumaufstellens und anschließenden Maibaumkraxeln. So versammeln sich Jung und Alt, um der Tradition beizuwohnen.

Der Maibaum ist ein Baum wie kein anderer und so werden ihm seit dem Mittelalter die unterschiedlichsten Bedeutungen zugeschrieben. Bis heute hat sich der Maibaum als Sinnbild der  Frühlings- und Maifeiern behauptet und soll darauf hinweisen, dass die fruchtbare Zeit des Jahres begonnen hat.  Er soll seine Segen bringende Wirkung auf Mensch, Vieh, Häuser und Felder ausbreiten. Um seine Reichweite über das ganze Dorf erstrahlen wird der Maibaum zentral am Dorfplatz aufgestellt, wo er dann bis weit in den Sommer hinein stehen bleibt.

 

Pass gut drauf auf

Rund um die Tradition des Maifestes ist es entscheidend, in der Nacht vor dem 1. Mai den Maibaum gut zu bewachen, denn wie der Brauch so will versuchen Nachbargemeinden sich gegenseitig zu bestehlen. Sind die Dorfburschen unaufmerksam und es gelingt den Maibaum zu entwenden, muss dieser wieder ausgelöst werden. Wer nun denkt, das kann doch nicht legal sein, täuscht sich. Der versuchte Diebstahl wird sogar von der Gesetzgebung als ortsübliche Sitten berücksichtigt und zieht somit keine Strafrechtlichen Konsequenzen mit sich. So einfach ist es nun aber auch nicht einen Meterlangen Baumstamm zu stehlen und vorbei an den wachsamen Augen der Dorfgemeinde abzutransportieren.

 

Das „Maibaumkraxln“

Hat der Maibaum die Nacht unbeschadet überstanden, wird er bei tosendem Beifall eingeweiht. Dazu gehört aber auch eine Mutprobe der besonderen Art. Mit bloßen Händen, in Lederhosen und mit nacktem Oberkörper wird versucht, so rasant als möglich, die Spitze des Baumes zu erklimmen.  Um auch nur eine Chance zu haben, in 15 Metern Höhe die Glocke zu läuten, werden kleine Hilfsmittelchen eingesetzt. Eine Mischung aus Harz und Schweinepech verspricht Halt und den idealen Griff für unerschrockene Kletterer.  Bis nach Oben geschafft, wird noch schnell ein Teil des angebrachten Schmucks als Beweis mitgenommen.  Wieder mit festem Boden unter den Füßen wird der Held des Tages  gefeiert und das Fest in vollen Zügen genossen.

 

Ein besonderer Baum – ein Stück WIR!

Der angebrachte Schmuck der Maibäume variiert stark nach Region und ändert sich Jahr für Jahr. Langeweile oder Eintönigkeit kann man dieser Tradition also nicht vorwerfen. Insbesondere im Salzkammergut wurden im 20. Jahrhundert Girlanden oder Dorfwappen durch Trachtenpaare ausgetauscht. Diese sind bis heute noch als Schmuck im Einsatz und so erstrahlen die schlichten und vollständig von Rinde befreiten Riesen, mit rotweißroten Bändern.  Nur der Baumwipfel erstrahlt in voller Pracht und wartet darauf, erklommen zu werden.

Es ist – und das könnt ihr uns wahrlich glauben – ein Spektakel der ganz besonderen Art! Prunkvoll, ausgelassen, frühsommerlich – einfach ein dickes WIR zum 1. Mai. Dieses Gemeinschaftsgefühl, dieses beschriebene Wir werden wir auch in diesem Jahr einmal mehr aufleben lassen. Diese, unsere, Tradition ist eben auch mehr als ein Termin im Kalender. Es ist ein großes Stück Lebensgefühl.

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